Die jesidische Gemeinde Hessen sammelte Winterkleidung, Decken, Hygieneartikel und mehr für ihre Landsleute im Nordirak, welche vor der Terrormiliz IS flüchten. Obwohl es zwischenzeitlich Probleme gab, war die Sammelaktion ein voller Erfolg.

Frankfurt. Im Grenzgebiet zwischen Irak, Syrien und der Türkei sind unter anderen etwa 400 000 Jesiden auf der Flucht vor der Terrormiliz „Islamischer Staat (IS)“, die gewaltsam ein Kalifat zu errichten versucht. Die Flüchtlinge halten sich dabei im Gebirge versteckt oder in zerstörten Häusern, schlafen auf der Straße, in Parks oder Auffanglagern. „Die Lage ist katastrophal“, betont Sükrü Boga, Vorsitzender der mehr als 5000 Mitglieder zählenden jesidischen Gemeinde Hessen. Es fehle den Menschen das Nötigste — und nun stehe auch noch die kalte Jahreszeit vor der Tür. „Wenn der Winter dort kommt, dann richtig“, weiß Sükrü: das Thermometer falle auf bis zu 30 Grad Celsius unter null.
„Nacktes Überleben“

797043_m3w605h320q75v45387_fff_Spendenaktion_Fluecht_4cUm ihren Landsleuten zu helfen, „das nackte Überleben zu sichern“, sammelte die Gemeinde am Samstag in den Stadtwerken Winter- und Hygienebedarf: Jacken, Pullover, Hosen, Mützen, Handschuhe, Schals, Decken, Seife, Duschzeug, Zahnbürsten und vieles mehr. Für Ältere, Kranke und Verletzte kamen zudem zahlreiche Gehhilfen wie Krücken und Rollatoren zusammen.

Insgesamt wollte die Gemeinde genügend Hilfsgüter sammeln, um einen Lkw damit zu bestücken. Insgesamt kamen aber zwischen 1500 und 2000 Umzugskisten zusammen — mehr als doppelt so viel, wie erhofft. „Die Resonanz war hervorragend, obwohl die Aktion nur kurzfristig angekündigt wurde“, freute sich Boga, der im Besonderen über den Zustand der Sachspenden glücklich war: „Das waren durchweg gute Sachen, wir mussten kaum etwas aussortieren. Ein herzliches Dankeschön an die hessische Bevölkerung“.

Bevor die Aktion letztlich als erfolgreich gelten konnte, musste das etwa zwei Dutzend Helfer umfassende Team noch ein „Horrormoment“ durchleben, wie es die Bundestagsabgeordnete Uli Nissen (SPD) beschrieb: Der eigentlich angedachte Ort, wo die Kisten zwischengelagert werden sollten, war feucht und für Pappkartons somit unbrauchbar. Mithilfe einiger Dezernenten konnten aber kurzfristig Räumlichkeiten gefunden werden.

Nissen, die gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Omid Nouripur (Grüne), Matthias Zimmer (CDU) und Wolfgang Gehrcke (Linke) an der Organisation der Sammlung mitwirkte, hatte nicht nur Telefonate geführt, um den neuen Lagerort zu finden, sondern auch stundenlang beim Bestücken der Pakete mit unterschiedlichen Gütern geholfen.
Ärztliche Hilfe

Die Hilfsgüter, die hauptsächlich aus Frankfurt und dem Raum Gießen stammen, werden nun eine Woche lang in der Fraport-Arena gelagert, bevor man sie ins Krisengebiet bringt. Zusätzlich plant die jesidische Gemeinde, in den nächsten Wochen vor allem Gynäkologen und Psychologen dorthin zu schicken, um den Flüchtlingen bessere medizinische und psychologische Hilfe bieten zu können. Die Ärzte sollen laut Sükrü auch als Ausbilder fungieren, weil sehr viele Menschen durch Verfolgung, Folterung, Misshandlung und Vergewaltigung schwer traumatisiert seien.

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