Die vom grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour ins Leben gerufene Spendenaktion für jesidische Flüchtlinge im Nordirak ist ein Erfolg. Rund 500 Kisten in einer Stunde.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig steht auf der Laderampe und ruft: „Gib her, das kommt da rüber.“ Zackig greift sie nach einem Kleiderpäckchen und schiebt es in eine Ecke des Vorraums des Casinos der Stadtwerke. Heilig ist eine der etwa 50 Personen, die die vom grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour ins Leben gerufene Spendenaktion für jesidische Flüchtlinge im Nordirak tatkräftig unterstützen.

Sükrü Boga, der Vorsitzende der jesidischen Gemeinde in Hessen, hat aus Gießen, wo die Gemeinde ihren Sitz hat, etwa 30 Mitstreiter mitgebracht. Und immer mehr Helfer tröpfeln an diesem nebligen ersten Novembervormittag an der Kurt-Schumacher-Straße ein. Die Frankfurter Bundestagsabgeordneten Matthias Zimmer (CDU), Ulli Nissen (SPD) und Wolfgang Gehrcke (Linke) unterstützten den Aufruf.

„Wir sind seit einer Stunde hier und haben schon ungefähr 500 Kisten gepackt“, ruft Heilig um 12 Uhr freudig. Beinahe im Minutentakt fahren Autos auf dem Parkplatz der Stadtwerke vor. Immer wieder kommen Menschen, schwer bepackt, und fragen: „Sind wir hier richtig?“ Sie bringen Mäntel, Schuhe, Hosen und Mützen – aber auch Krücken, Rollatoren, Rollstühle. Die Helfer nehmen die Sachen emsig entgegen und packen sie in einen der 1500 bereitliegenden Umzugskartons. „Wahnsinn!“, murmeln sie immer wieder. Sie freuen sich über die große Anteilnahme.

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Kisten für die Spendensammler

Einen 40-Tonnen-Lastwagen wollen die Organisatoren auf diese Weise füllen. „Erst kürzlich haben wir einen Laster von Gießen in den Nordirak geschickt“, erzählt Boga. Damals habe die Gemeinde zusammen mit der Hilfsorganisation Global Aid Network (GAiN) vor allem Nahrungsmittel auf die knapp 4000 Kilometer lange Reise geschickt. „Jetzt, da der Winter vor der Tür steht, brauchen wir vor allem warme Sachen.“

Und die kommen zahlreich. Rainer Kleibusch fährt gemeinsam mit seiner Ehefrau im Wohnmobil vor. „Wir haben drei erwachsene Kinder und viele Kinderklamotten übrig“, erzählt er. Außerdem habe seine Tochter kürzlich ihre Wohnung aufgelöst, da habe sie ebenfalls einiges aussortiert. Nun hievt er Kiste um Kiste aus seinem Auto und übergibt sie den Spendensammlern. Ein anderer ist eigens aus Eppstein gekommen. „Wir haben in der letzten Zeit immer mal was zurückgelegt für solch eine Sammelaktion“, erzählt er. Nun habe er in der Zeitung von der Aktion für die Jesiden gelesen und sich gedacht, dass dies eine gute Gelegenheit sei, um die Sachen abzugeben.

Derweil sagt Boga, dass in Mittelhessen die meisten Jesiden im Bundesland lebten. „Im Raum Gießen gibt es etwa 2000 Jesiden.“ Bereits seit den 80er Jahren kämen sie nach Deutschland. Im Rhein-Main-Gebiet lebten ebenfalls zahlreiche Jesiden, die meisten von ihnen türkischstämmig. Von den Helfern haben einige Verwandte im Nordirak. Einer erzählt, dass sich der Bruder seiner Schwägerin erst kürzlich in die Türkei habe retten können.

Am Abend sind alle 1500 Kisten voll. In ein paar Tagen startet der Lastwagen, um die Situation der Jesiden im Nordirak wenigstens etwas zu verbessern.

Link: http://www.fr-online.de/frankfurt/spenden-fuer-den-irak-viele-wollen-den-jesiden-helfen,1472798,28921876.html