Ezidische Gemeinde

"Ubi bene, ibi patria“, was so viel bedeutet wie: „Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland, meine Heimat“ stammt von dem berühmten römischen Philosophen Cicero. Für die hier lebenden Eziden ist Deutschland meist ihre einzige Heimat.

Das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Nationalitäten ist nicht immer leicht und birgt traurigerweise viel Potenzial zu emotionalen und menschenverachtenden Debatten. Die Ezidische Gemeinde Hessen e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht den interkulturellen Dialog und die Partizipation, der hier lebenden Eziden, aktiv voranzutreiben aber auch gleichermaßen ihre Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu fördern.
Um diese Aufgabe meistern zu können, spielen Vereine eine entscheidende Rolle, weil sie Menschen verschiedener Herkunft zusammenführen und ein Fundament des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft darstellen.

Die Ezidische Gemeinde Hessen e.V. hat es sich auf die Fahne geschrieben einen Schritt in diese richtige und notwendige Richtung zu gehen mit der Hoffnung, dass viele weitere Schritte folgen werden. Um das hochgesteckte Ziel erreichen zu können, betreiben wir ehrenamtliche Vereinsarbeit und führen folgende Aktivitäten durch:

1. Sport und Freizeitaktivitäten

Sport führt seit je her Menschen spielerisch zusammen. Wir wollen uns diesen natürlichen Spieltrieb des Menschen zu Nutze machen und regelmäßige Sportaktivitäten wie Fußball- und Basketballspiele organisieren, in denen Eziden und Menschen anderen Glaubens sich "spielerisch" kennenlernen.
(Dies wäre auch in einer öffentlichen Halle umsetzbar, wobei wir ein regelmäßiges Nutzungsrecht erhalten müssten)

2. Kulturveranstaltungen

In unserer Theater AG sollen Jung und Alt, Menschen aller Galubensrichtungen ihrer Kreativität freien Lauf lassen, sodass es hoffentlich in großen Thaterstücken fruchtet. Dazu wird separat eine Folklore AG angeboten, in der traditionelle kurdische Volkstänze geprobt und auf diversen Veranstaltungen aufgeführt werden sollen. Dabei liegt es an unseren deutschen Mitbürgern zu demonstrieren, dass entgegen der allgemeinen Annahme auch sie „Feuer im Blut“ haben und den Hüftschwung aus dem „ff“ beherrschen. Zur Kultur zählt natürlich auch die Musik. Damit diese nicht zu kurz kommt, wird Musikunterricht angeboten. Dabei soll das Spielen auf traditionellen Instrumenten erlernt und verfeinert werden.

3. Frauenförderung

Frauen werden noch immer unterdrückt, wenn auch auf eine moderne Art une Weise. Selbst in der hochmordernen und aufgeklärten deutschen Gesellschaft ist wissenschaftlich bewiesen, dass Frauen, auch wenn es in der Verfassung festgehalten ist, dem Mann nicht überall gleich gestellt sind. Frauen werden weitaus geringer entlohnt als ihre männlichen Kollegen in gleicher Position - Frauen haben es schwerer Familie und Beruf in Einklang zu bringen - Frauen sind maßgebich für die Kindererziehung zuständig, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Ezidische Frau hat es da noch ein ganzes Stück schwerer. In den Köpfen vieler Männer aber leider auch vieler Frauen ist die vorherrschende Meinung, dass die Frau lediglich für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig sei. Wir wollen diesem Denken konsequent entgegenwirken und speziell für Frauen Alphabetisierungskurse geben, denn gerade die Frauen, die in ihrer Heimat nie die Möglichkeit hatten schreiben und lesen zu lernen, sind im besonderen Maße von ihrer Umwelt abhängig. Diese Kurse werden von unserer Frauenrefentin auf deutsch geleitet und sollen somit einen weiteren Schritt hin zur Integartion ermöglichen.

4. Jugendförderung

Bildung ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Integration. Sie ist auch Voraussetzung für den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg einzelner Menschen. Nicht erst seit dem Bericht des Sonderbauftragten der UN ist erwiesen, dass Kinder aus Migrantenfamilien besonders stark mit dem deutschen Schulsystem zu kämpfen haben. An Hochschulen sind sie unter- und an Haupt- und Realschulen überrepräsentiert. Wir sind der Meinung, dass dies keiner gesellschaftlichen Gesetzesmäßigkeit entspricht, sondern hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass Kinder aus Migrantenfamilien auf eine besondere schulische Betreuung angewiesen sind. Um diese Kinder bei ihrem schulischen Werdegang zu unterstützen, bieten wir regelmäßigen Nachhilfe- und Förderunterricht an.